Posts from 2019-08-22

Vaterschaftsurlaub: wo stehen wir denn jetzt?

Während in der EU der bezahlte Vaterschaftsurlaub oder die zwischen den Ehepartnern aufteilbare Elternzeit längst zur Selbstverständlichkeit geworden ist, glänzt die Schweiz mit negativ Beispiel. Wer im Gesetzestext nach Vaterschaftsurlaub sucht, der wird nicht fündig, denn es gibt ihn de facto nicht! Arbeitgeber müssen den Arbeitnehmern nur die üblichen freien Stunden bzw. Tage für familiäre Ereignisse gewähren. Wir sprechen hier von 1-3 Tagen, welche dann im Arbeitsvertrag geregelt sind. Mittlerweile gehen aber immer mehr Unternehmen dazu über, werdenden Vätern mehr freie Tage zu gönnen um den Bedürfnissen der heutigen Elterngeneration gerechter zu werden. Generell setzen sich 5-10 freie Tage (= 1-2 Wochen) durch. 

 

Bezahlter Vaterschaftsurlaub in ausgewählten Schweizer Firmen

Quelle: Handelszeitung

 

Die Schweiz ist europaweit das einzige Land, das weder den Vaterschaftsurlaub noch den Elternurlaub kennt! Quelle: watson

Längst fällig ist allerdings eine gesetzliche Regelung für den Vaterschaftsurlaub. Das scheint jedoch die Landesregierung anders zu sehen. Im vergangenen Jahr wurde die eingereichte Volksinitiative für einen Vaterschaftsurlaub von 20 Tagen - einzeln und flexibel zu beziehen im 1.Lebensjahr des Kindes - vom Bundesrat ohne Gegenvorschlag abgelehnt. Die Sozialkommission des Ständerats (SGK-S) lehnte die Initiative ebenfalls ab, stellte aber immerhin einen indirekten Gegenvorschlag eines 10-tägigen Vaterschaftsurlaubs. Dieser ging dann in die Vernehmlassung, wurde vom Bundesrat aber erneut abgelehnt. Der Ständerat hat im vergangenen Juni die Vaterschaftsurlaubs-Initiative von 20 Tagen ebenfalls abgelehnt, dem Gegenentwurf mit 10 Tagen jedoch zugestimmt. Letzte Woche hat nun die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats (WBK-N) über den gesetzl. Vaterschaftsurlaub beraten und die Initiative abgelehnt. Am Gegenentwurf mit 10 Tagen hält sie fest.

Nun hängt es vom Nationalrat ab, der voraussichtlich in der Herbstsession über den Gegenentwurf entscheidet. Die FDP-Fraktion müsste geschlossen Nein stimmen um den 10 tägigen Entwurf zu verhindern, was eher unwahrscheinlich ist. Da der Gegenvorschlag indirekt ist, wird das Stimmvolk nicht zwingend an der Urne darüber entscheiden. Wenn das Parlament ihm zustimmt, tritt das Gesetz automatisch in Kraft. Gesetz den Fall, dass die Volksinitiative (über die in der Wintersession entschieden wird) abgelehnt oder zurückgezogen wird. Es könnte jedoch das Referendum ergriffen werden. 

Es bleibt also weiter spannend, aber es tut sich mit schweizerischem Tempo etwas! 

Update vom 11.September 2019

Auch der Nationalrat hat sich für einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub ausgesprochen und lehnte gleichzeitig die Volksinitative ab. Falls die Volksinitiative zurückgezogen wird und kein Referendum gegen den indirekten Gegenentwurf des Parlaments ergriffen wird, so wird der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub voraussichtlich auf 1.1.2021 in Kraft treten.

Update vom 2.Oktober 2019

Das Initiativkomitee der Volksinitiative hat das Volksbegehren nach einem 4 wöchigen Vaterschaftsurlaub zurückgezogen. Sofern kein Referendum zustande kommt, steht Vätern künftig 2 Wochen Vaterschaftsurlaub zu.

 

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