Es gibt viele gute Gründe, warum es nicht immer der klassische Karriereweg sein muss.

Isabel arbeitet von Montag bis Mittwoch Teilzeit als HR Fachspezialistin bei der PH Bern und Donnerstag bis Samstag kümmert sie sich um ihr eigenes Geschäft als selbstständige Kosmetikerin (den ganzen Beitrag findet ihr in unserer Teilzeitgeschichten Sammlung). Sie ist ein Beispiel dafür wie sich flexible Arbeitsformen mehr und mehr durchsetzen. Statt einem Vollzeitjob, wird die Erwerbstätigkeit auf zwei Teilzeitstellen und mehr aufgeteilt, sei es als Selbständigerwerbende oder im Angestelltenverhältnis.

Besonders die Generationen Y und jünger, denen Individualität und Selbstverwirklichung wichtig ist, verzichten immer mehr auf den klassischen 100% Karriereweg bei einer Firma. 

Das dieser Trend zunimmt zeigen auch die Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Aktuell liegt die Zahl der Mehrfachbeschäftigten bei über 350'000 so hat 

Jede/r 13 mehr als einen Job

Anteil Mehrfacherwerbstätige an der Erwerbsbevölkerung, in % (durchschnittliche Jahreswerte)

Frauen teilen ihre Berufstätigkeit fast doppelt so häufig auf mehrere Beschäftigungen auf als Männer. Was wiederum erklärbar ist, da knapp 60% der Teilzeitbeschäftigten nun einmal Frauen sind.

Flexible Arbeitsformen benötigen neue Arbeitsräume

Co-Working Spaces spriessen gerade wie Pilze aus dem Boden. Sie sind eine flexible und kostengünstige Art, einen eingerichteten Arbeitsplatz in einem Gemeinschaftsbüro zu mieten. Diese flexiblen Bürogemeinschaften bieten neben der nötigen Infrastruktur Raum für inspirierendes und kooperierendes Arbeiten und sind gerade bei Selbständigerwerbende und Start-ups sehr gefragt. 

Wer selbst noch auf der Suche nach der passenden Work-Community ist, sollte einen Blick auf die Website von WeSpace werfen. Ein Co-Working- und Community-Space für Frauen von Frauen, neu eröffnet in Zürich an der Bahnhofstrasse. Mit dem Ziel die berufliche Entwicklung von jungen engagierte Frauen aus verschiedenen Sektoren, Institutionen und mit unternehmerischen Vorhaben zu vernetzen und zu fördern.

Teilzeitjob: Achtung Vorsorgelücke

Wer Teilzeit arbeitet sollte sich gut mit seiner Vorsorgesituation auseinandersetzen. Bei mehr als einem Teilzeitjob erst Recht. Denn Teilzeitarbeit führt in der Regel zu einer Minderung der BVG Leistungen. Damit Teilzeitler aber überhaupt Arbeitgeberbeiträge aus der 2. Säule erhalten, müssen sie mindestens 21’150 CHF im Jahr verdienen. Denn das ist der Mindestlohn für eine obligatorische Versicherung.

Und dann wäre da noch der Koordinationsabzug: aktuell 24'675 CHF bestimmt er, welcher Lohn bei der 2. Säule (Pensionskasse) versichert ist, indem er vom Jahreseinkommen abgezogen wird. Die Folgen bei einem Bruttolohn von 70'000 CHF: Bei einem 100% Pensum sind 45'325 CHF (70'000 minus 24'675) versichert; bei einem 50% Pensum sind es hingegen nur noch 10'325 CHF (35'000 minus 24'675). Der Teilzeitler erhält hier also höchstens einen Viertel der PK-Rente eines Vollzeitangestellten! Und bei mehr als einer Teilzeitstelle wird unter Umständen der Koordinationsabzug doppelt abgezogen.

Gute Pensionskassen bieten Modelle mit einer Flexibilisierung des Koordinationsabzugs über eine Staffelung nach Einkommen an. So erhalten Teilzeitangestellte mit tieferen Pensen entscheidend mehr Pensionskassenrente. Es lohnt sich also bei der Wahl des Arbeitgebers auch dessen Pensionskassenreglement zu studieren. 

Trotz solch teilzeitfreundlicher Pensionskassenmodelle ist die Vorsorge über die 2. Säule meist ungenügend. Wir empfehlen deshalb dringend allfällige Lücken zusätzlich durch Einzahlungen in die 3. Säule zu schliessen. Teilzeitangestellte mit mehr als 2 Jobs haben die Möglichkeit sich bei der Auffangeinrichtung der BVG oder bei der Pensionskasse des Arbeitgebers freiwillig versichern zu lassen, um ihre Vorsorge zu optimieren.