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Altersteilzeit

 

Viele Betriebe und Mitarbeiter  kennen nur ein traditionelles Modell in der letzten Phase des Erwerbslebens: gleich bleibende Arbeit, steigender Lohn. Das wird den Wünschen und Erwartungen beider Parteien aber in vielen Fällen nicht gerecht. Es gibt viele Gründe dafür, dass sich Arbeitgeber und Mitarbeiter frühzeitig und gemeinsam um kreativere, angepasste Lösungen - sprich um Altersteilzeit bemühen. Das kommt beiden Interessen entgegen und sollte viel konsequenter und häufiger konzipiert und umgesetzt werden.

Teilzeitkarriere.com bietet beiden – Arbeitnehmern und Arbeitgebern – die Möglichkeit, solche Modelle zu diskutieren, sich auszutauschen sowie Altersteilzeit Stellen zu suchen/finden.

Alltag

In meiner Berufspraxis begegnen mir beim Thema Pensionierung eigentlich fast nur 2 Modelle: Arbeiten bis zum Rentenalter und dann aufhören oder irgendwann eine Frühpensionierung. Der vorzeitige Ausstieg erfolgt vor allem dann und dort, wo die öffentliche Hand (z.B. Lehrer, Beamte) oder ein Arbeitgeber (speziell Banken und Versicherungen) finanziell überbrückt. Recht selten ist das gezielte Aufbauen einer eigenen Vorsorge mit freiwilligem frühzeitigem Ausstieg.

Erwartungen

Das beschriebene traditionelle Modell führt die Verhaltensmuster des normalen Arbeitsalltages weiter. Ein Mitarbeiter steigt mit den vielen Dienstjahren sukzessive auf. Sein Lohn steigt mit den jährlichen Lohnerhöhungen immer weiter an. Die ältesten Mitarbeiter sind die teuersten, nicht nur wegen dem BVG in der Schweiz.

Beim Arbeitgeber wecken hohe Löhne auch hohe Erwartungen. Die teuersten Mitarbeiter sollten am besten sein und am meisten leisten. Aber oft eben nur eigentlich. Aufgrund der Diensttreue werden vielfach überhöhte Löhne für die "paar Jahre bis zur Pensionierung" in Kauf genommen. Dabei machen unerfüllte Erwartungen unzufrieden – auf beiden Seiten.

Leistungsfähigkeit

Der Mitarbeiter schickt sich in die Situation. Er schätzt das steigende Einkommen und hofft, bis zum Pensionsalter durchzuhalten. Im Inneren weiss er aber auch, dass er eigentlich überbezahlt wird. Irgendwann zwischen 50 und 60 oder auch später spüren die meisten, dass die Leistungsfähigkeit doch nachlässt. Altersteilzeit ist die Lösung.

Umstieg auf Altersteilzeit

Nimmt man die obigen Gedanken ernst, bleibt eine Handlungsalternative: statt dem Standardmodell ein angepasstes Modell mit Altersteilzeit.

Planen wir gemeinsam die letzten (z.B. 10) Jahre des Berufslebens. In Absprache wird das Arbeitspensum einerseits, aber auch der Lohn andererseits reduziert. Damit können wir den Erwartungen von Arbeitgeber und Mitarbeiter viel besser entsprechen. Zudem machen wir Platz frei für jüngere ambitionierte Mitarbeiter, die aufsteigen wollen.

Andere Arbeit, andere Arbeitgeber

Es wird vielfach nicht gelingen, einfach den bisherigen Job mit Altersteilzeit und weniger Lohn zu erledigen und mehr zu delegieren. Zeitliche Ansprechbarkeit, Reisetätigkeit, Vorbild sind einige Stichworte dazu. Es ist angezeigt, viel offener und kreativer über andere Tätigkeiten nachzudenken. Dabei kann gezielt auch auf die Vorteile und Stärken älterer Mitarbeiter geachtet werden: vor allem Erfahrung, Wissen und Beziehungen erhalten. Und das offizielle Rentenalter muss nicht die Guillotine sein. Gute, massvolle Arbeit kann darüber hinaus viel Sinn machen. Neben dem Gebrauchtwerden kann auch der finanzielle Aspekt eine Rolle spielen.

Ich plädiere auch für kreatives Denken über die eigenen Firmengrenzen hinaus. Es dürfte schwierig sein, für einen Bauarbeiter einfach einen anderen Job zu finden. Aber als Hauswart könnte ein erfahrener Handwerker zum Beispiel an einer anderen Stelle sehr wertvoll sein.

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